Hauptseite

Nachkriegszeit

1945-1950: Situation nach dem 2. Weltkrieg

Description de cette période

1950-1963: Aussöhnung und Elysée-Vertrag

Description de cette période

Europäische Entwicklung

Description de cette période

Heutige Wahrnehmung

Description de cette période

1945-1950: Kontext nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Krieg ist das französische Volk traumatisiert : 567 600 Töde, Massaker wie Oradour in 1944 und die durch Bombenangriffe zerstörte Städte lassen tiefe Wunden zurück. Die Franzosen wollen eine Bestrafung für das deutsche Volk So kommt es zu Prozesse gegen Nazi-Verbrecher, zur Demilitarisierung Deutschlands, zur französische Militärpräsenz in Deutschland Die Franzosen sind den Deutschen gegenüber misstrauisch, und zeigen es in den Medien, die Literatur, und auch Filme der Nachkriegszeit zeigen brutale deutsche Soldaten Die französische Literatur ehrt die Widerstandskämpfer und betont den Kampf gegen die deutschen Soldaten. Deutsche werden fast immer mit Nazis verbunden : Karikaturen zeigen deutsche Soldaten mit der Nazi-Uniform.

1950-1963: Wiederversöhnung

Zwischen 1950 und 1960 kommt es zu einer schrittweisen Annäherung und Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland. Ein bedeutender Schritt war der Élysée-Vertrag von 1963, durch den insbesondere das Deutsch-Französische Gymnasium (DFG) gegründet wurde. Schon vor diesem Vertrag arbeiteten beide Regierungen zusammen. Das Saarland spielte dabei zum Beispiel eine Rolle. Es stand unter französischer Kontrolle, hatte aber eine gewisse Autonomie. Aufgrund seiner Bodenschätze war es ein wichtiges Gebiet. Im Jahr 1955 fand ein Referendum statt, bei dem sich 67 % der saarländischen Bevölkerung für den Anschluss an Deutschland aussprachen. Frankreich akzeptierte diese Entscheidung und leitete damit eine schrittweise Versöhnung ein. Nach zweijährigen Verhandlungen wurde das Saarland am 1. Januar 1957 an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Dieses Ereignis initiierte die deutsch-französische Zusammenarbeit und den Élysée-Vertrag. Im Jahr 1958 treffen sich Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in Colombey-les-Deux-Églises und in Bad Kreuznach. Diese Treffen waren ebenfalls wichtige Schritte auf dem Weg zur deutsch-französischen Freundschaft. Schließlich, im Jahr 1963, wird der Élysée-Vertrag unterzeichnet, über den wir gleich sprechen werden.

   1963 : Elysee-Vertrag    

Der Elysee-Vertrag : Grundstein der deutsch-französischen Zusammenarbeit

Grundbaustein der deutsch-französischen Zusammenarbeit nach dem 2. Weltkrieg ist der Elysee-Vertrag. Dieser 1963 von de Gaulle und Adenauer unterzeichneten Freundschafts- und Kooperationsvertrag bestrebt 3 verschiedene Ziele : Die deutsch-französische Versöhnung symbolisch zu versiegeln Regelmäßige Treffen der Politiker und Beamten sollen zu einer “reflexartigen” Kooperation führen Eine echte Freundschaft zwischen den beiden Völkern zu entwickeln, insbesondere bei der Jugend. Durch den Elysee-Vertrag und dessen Zusätze gibt es zwischen Frankreich und Deutschland eine enge politische und institutionelle Zusammenarbeit. Diese wurde in den Jahrzehnten danach kontinuierlich vertieft : Neue Deutsch-Französiche Räte kamen dazu, danach sogar einen Deutsch-Französischen Ministerrat und eine Deutsch-Französische Agenda.


Zum weiter forschen : Die Website France-Allemagne.fr (hier clicken)
Das Video der Unterzeichnung des Elysee-Vertrags : Auf der Website Ina.fr (hier clicken)

Elysee-Vertrag Unterzeichnung

Quelle : Archives du ministère des affaires étrangères, traités, réf. 19630051/001, Auteur Marc Baronnet




Viele Franzosen[ö/innen] sahen die deutsch-französische Aussöhnung als historischen Durchbruch nach der jahrhundertelangen Konfrontation. Die Idee eines dauerhaften Friedens und enger Zusammenarbeit wurde von großen Teilen der Bevölkerung begrüßt. Besonders die Jugend, Studierende und kulturelle Kreise reagierten positiv : Austauschprogramme, Partnerschaften und gemeinsame Projekte wurden als große Chance wahrgenommen. Unterstützer von Präsident Charles de Gaulle betrachteten den Vertrag als Schritt zu einer stärkeren und unabhängigeren Europa-Politik, weniger gebunden zu den USA. Einige politische Gruppen, besonders pro-amerikanische und pro-NATO-Anhänger, waren skeptisch : sie befürchteten, dass der Vertrag eine Abkehr von den USA bedeuten könnte. In der Verteidigungspolitik hatte Deutschland weniger zu bieten als die USA, und ein paar war die Kooperation mit Deutschland wegen der gemeinsamen Geschichte nicht geheuer.

Karikatur zum Elysee-Vertrag

Diese Karikatur wurde von Kamb gezeichnet und in der kommunistischen Zeitung l’Humanité am Tag der Unterschrift des Elysee-Vertrags veröffentlicht. Sie zeigt De Gaulle und Adenauer während der bekannten Umarmung (“l’accolade”). Ihre Arme sind jedoch als Atomraketen dargestellt. Das „A“ auf den Raketen weist eindeutig auf Atomwaffen hin. Die Zeichnung macht deutlich, dass der Élysée-Vertrag nicht nur ein Freundschafts- und Versöhnungszeichen ist, sondern auch eine militärische bzw. sicherheitspolitische Bedeutung hat. Die beiden Länder rücken enger zusammen und präsentieren sich gemeinsam als machtpolitische Einheit im Kalten Krieg. Der Handschlag wirkt durch die Raketen ambivalent: Einerseits steht er für Zusammenarbeit, andererseits zeigt er, dass diese Partnerschaft auch strategische Interessen verfolgt. Vor allem wird kritisiert, dass die BRD von Frankreichs Atomschild profitieren wolle

Karikatur De Gaulle und Adenauer

© Copyright : KAMB - Jacques Kambouchner

Quelle: KAMSource: KAMB (Jacques Kambouchner). "L'accolade" dans L'Humanité Organe Central du Parti Communiste Français. Paris: L'Humanité 22.01.1963, p.1. Dieses Dokument ist verfügbar unter: www.cvce.eu

Quelle : Archives-Sud-Ouest, Dieses Dokument findet ihr auf : sudouest.fr

Zeitungsartikeln zum Elysee-Vertrag

“La coopération franco-allemande ira, dans le domaine juridique, beaucoup plus loin qu’il n’était prévu initialement. C’est, en effet, un traité en bonne et due forme qui sera signé aujourd’hui ou demain. Il engagera l’avenir des deux peuples et sera soumis à ratification. Les affaires étrangères, la défense, les affaires culturelles sont concernées par l’accord intervenu entre le général de Gaulle et le chancelier Adenauer, et qui, souligne-t-on avec insistance, ne doit pas être interprété comme dirigé contre des tiers ou les excluant, mais comme une première mesure visant à l’unité de l’Europe.”

„Die deutsch-französische Zusammenarbeit wird im juristischen Bereich sehr viel weiter gehen, als ursprünglich vorgesehen war. Tatsächlich wird heute oder morgen ein ordnungsgemäßer Vertrag unterzeichnet. Er wird die Zukunft beider Völker verpflichten und der Ratifizierung unterliegen. Die Außenpolitik, die Verteidigung und die Kulturangelegenheiten sind von der Vereinbarung betroffen, die zwischen General de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer getroffen wurde und die – wie man mit Nachdruck betont – nicht als gegen Dritte gerichtet oder als ausschließend interpretiert werden darf, sondern als eine erste Maßnahme, die auf die Einheit Europas abzielt.“

Es wird betont, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit viel tiefgreifender wird als ursprünglich geplant - besonders im rechtlichen und vertraglichen Bereich. Der Vertrag ist nicht nur eine Absichtserklärung, sondern ein verbindliches, ratifizierbares Abkommen. Drei zentrale Politikfelder (Außenpolitik, Verteidigung und Kultur) werden genannt : Das zeigt, wie breit der Vertrag angelegt ist. Der Text reagiert auf Befürchtungen, Deutschland und Frankreich könnten sich zu einem exklusiven Block zusammenschließen. Er stellt klar : Das Ziel ist europäische Einheit, also ein Schritt hin zu stärkerer europäischer Integration.



"Es ist bedeutungsvoll in diesem historischen Moment, dass die schwierige deutsch-französische Aussöhnung auf deutscher Seite von einem Mann verkündet wurde, der in seinem öffentlichen Leben und in seiner eigenen Familie unter der nationalsozialistischen Tyrannei gelitten hat, und auf französischer Seite von jemandem, der Frankreich zu hartnäckigem Widerstand gegen den Eindringling aufgerufen hat. Das ist es, was dem lange erhofften Annäherungsprozess seinen ganzen Sinn gibt: Das Abkommen vom 22. Januar 1963 musste unter dem Zeichen der Freiheit geschlossen werden.

Von dieser Freiheit her sind Frankreich und Deutschland nun mehr denn je Garanten und verantwortlich. Das heißt, dass die deutsch-französische Aussöhnung keine Schatten auf die Nationen werfen kann, die dieselbe Verantwortung tragen. Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika werden darin nichts anderes sehen können – wir zweifeln nicht daran – als eine Stärkung Europas, das sich auf sich selbst besinnt. Und die beiden Völker, die sich nach schweren Kämpfen wiedergefunden und eine politische und kulturelle Zusammenarbeit aufgebaut haben, werden sich an die Opfer, die Unterstützung und die Freundschaften erinnern, die es von 1940 bis 1963 möglich gemacht haben."

François DESGRÉES DU LOU.” (Ouest-France Jounalist)



Quelle : Archives-Ouest-France, Dieses Dokument findet ihr auf : ouest-france.fr

Zeitungsartikel Ouest-France


Hier hebt der Journalist bewusst die moralen Hintergründe der beiden Politiker hervor : Adenauer hat durch der nationalsozialistsichen Diktatur gelitten, während de Gaulle den Widerstand gegen die deutsche Besatzung angeführt hat. So schließen die Gegner von Unterdrückung und Besatzung Frieden.
Diese Aussöhnung wurde "unter dem Zeichen der Freiheit geschlossen". Diese Freiheit bringt beide Länder zusammen, denn sie ist der gemeinsame Wert der westlichen Demokratien. Zugleich wird beiden Staaten eine besondere Verantwortung zugeschrieben: Sie sollen als Garanten dieser Freiheit wirken.
Der Text betont, dass die deutsch-französische Annäherung keine Bedrohung für andere westliche Staaten (Insbesonders Großbritannien und die Vereinigten Staaten) darstellt.
Abschließend hebt François Desgrées du Lou die Bedeutung von Erinnerung und gemeinsamer Erfahrung hervor, um die deutsch-französische Freundschaft zu festigen.

1950-Heute: Europäische Entwicklung

Heutige Wahrnehmung

Heute gibt es immer weniger und weniger Schüler, die Deutsch lernen wollen:

Warum dieses Desinteresse ? Es gibt viele Gründe, warum Deutsch weniger attraktiv ist als Spanisch, die Sprache, die von französischen Schülern am häufigsten gewählt wird:
Umfragen: 88% der Franzosen haben ein gutes oder sehr gutes Image von Deutschland. Die junge Generation ist sehr begeistert und neugierig über Deutschland: 3/4 will in Deutschland eines Tages reisen 76 % möchten die deutsche Kultur entdecken Aber viele Franzosen kennen Deutschland nicht sehr gut.